Archiv für den Tag: Februar 17, 2017

Fan-Fiction: Fakten und Hintergrnde

Fan-Fiction, so werden literarische Werke von Fans zu ihren Lieblingsbchern, -filmen, -serien oder -Computerspielen bezeichnet. Auch real existierende Persnlichkeiten aus Film, Musik oder Sport knnen die Inspiration fr Fan-Fiction sein und deren Lebensgeschichten in einer neuen, fortgesetzten oder alternativen Handlung erzhlen. Popularitt hat dieses Phnomen in jngster Zeit durch die sogenannten ?Spin-Offs erhalten, die zu erfolgreichen Film- oder Serienfiguren gedreht wurden. Man denke nur an die zahlreichen Helden des Marvel-Universums, die ihren eigenen Blockbuster bekommen haben, oder an den zwielichtigen Anwalt Saul Goodman aus der Serie ?Breaking Bad, dessen Biographie im Spin-Off ?Better Call Saul erzhlt wird.

Fakt ist, folgt man den Theorien von Abigail Derecho (?Archontic Literature – A Definition, a History, and Several Theories of Fan Fiction), dass die Art und Weise des Umgangs mit Geschichten, wie sie Fan-Fiction handhabt, bereits Jahrtausende alt ist. Das Pantheon der griechischen und rmischen Gtter wuchs stetig an, und mit ihm die Anzahl der Geschichten, die sich um die Gtter rankten. Und auch im Mittelalter schienen die Autoren mit den zahlreichen Fortsetzungen zu Knig Artus und seinen Rittern der Tafelrunde ein Bedrfnis nach einem umfassenden Erzhlkosmos auf Seiten des Publikums nachzukommen.

Man knnte aber andererseits Fan-Fiction, so Abigail Derecho, als ein spezifisches Phnomen der Neuzeit betrachten, womit ihre Anfnge in die 1920er Jahre fallen wrden, als Fans von Jane Austen (?Stolz und Vorurteil) und Arthur Conan Doyle (?Sherlock Holmes) anfingen, die Geschichten ihrer literarischen Lieblingsheldinnen und -helden fortzuspinnen. Auch die Fan-Fiction zum ?Star Trek-Universum, die in den 1960er Jahren einsetzte, stellt einen Meilenstein in der neuzeitlichen Ermchtigung von Fans ber ihre fiktionalen Vorbilder dar.

Beide Erklrungsanstze, die den Ursprung der Fan-Fiction zu erforschen suchen, haben einiges fr sich. Und unabhngig davon, ob man bereits die um die zahlreichen Halb- und Nebengtter kreisenden Geschichten der Antike als Fan-Fiction bezeichnen kann, unterscheidet sich diese Art der Erzhlkunst doch in einigen wissenswerten Punkten von der heutigen Fan-Fiction-Kultur. Zunchst einmal verbreiteten sich Geschichten bis in die Neuzeit hinein vor allem mndlich oder in alten Manuskripten und Drucken, whrend das ?neue Medium Internet fr eine rasante globale Verbreitung der Fan-Fiction sorgt. Verfgten in frherer Zeit vor allem berufsmige Erzhler und Dichter (Skalden, Barden), die selten lesen oder schreiben konnten, ber die Fhigkeit, Geschichten einem Publikum darzubieten, so kann heutzutage jeder sein Glck im Geschichtenerzhlen versuchen und vom Prinzip her ist jeder alphabetisierte Mensch dazu in der Lage, seine geschriebene Fan-Fiction ber das Internet zu verbreiten.

Doch whrend es bis in die Frhe Neuzeit hinein noch kein Copyright gab, das die Geschichten und Helden der Autoren urheberrechtlich schtzte, erschwert genau diese Gesetzgebung mageblich den kreativen literarischen Umgang mit bekannten Romanfiguren und -welten. Konnte bis vor einigen Jahrhunderten also jeder, der wollte, alle ihm zur Verfgung stehenden Geschichten nach- und um- und forterzhlen, ohne befrchten zu mssen, dafr ins Gefngnis zu wandern, hat sich in dieser Hinsicht einiges gendert. Es gibt Autoren wie Anne McCaffrey oder Raymond Feist, die keine Fan-Fiction zu ihren Werken wnschen und ihre Rechte sogar einklagen. Daneben gibt es aber auch solche wie J. K. Rowling, die sich darber freuen, wenn Fans ihre Geschichten weiterspinnen.

Alles in allem handelt es sich bei Fan-Fiction um ein Phnomen, das ein bereits Jahrtausende altes menschliches Grundbedrfnis nach fortgesetzten Geschichten befriedigt ? heutzutage von Fans fr Fans. Jedermann kann sich daran beteiligen und seinen eigenen Beitrag zu einem bestimmten Erzhlkosmos liefern, zumindest solange er damit nicht die Urheberrechte eines Autors verletzt.